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Nach der „Geburt“ eines Issues, indem ein
Sachverhalt durch Interessengruppen aufgegriffen wird, die damit zu „Issue
Raisern“ werden, durchläuft ein Issue eine Themenkarriere, die üblicherweise
als Lebenzyklus dargestellt wird (SCHAUFLER / SIGNITZER 1990):
1.
Definitionsphase: Sachverhalt wird durch Issue-Raiser als Problem erkannt
2.
Legitimitationsphase: Issue Raiser müssen ihr Anliegen in der Öffentlichkeit
verbreiten, indem sie ihr Vorhaben mit den vorherrschenden Wertvorstellungen in
Beziehung setzen.
3.
Polarisationsphase: Das Issue tritt in die öffentliche Diskussion ein. Diese
spielt sich in erster Linie in den Medein ab, welche die bestehenden Meiningen
zum Thema simplifizieren und polarisieren, um ein möglichst großes
Publikumsinteresse hervorzurufen.
4.
Identifikationsphase: Durch die mediale Verbreitung werden Lösungen öffentlich
diskutiert. Die Teilnehmer identifizieren sich mit einer der verbreiteten Lösungen
und vertreten sie fortan.
5.
Lösung: Das kritische Thema wird durch Verhandlung, Anpassung oder hoheitliche
Regelung gelöst. Eine Lösung ist nie endgültig, sondern das Issue tritt
damit in eine latente Phase ein und kann jederzeit wieder aufkommen, wenn sich
Rahmenbedingungen ändern.
Eine
Grafik finden Sie hier.
Eine anschauliche sprachliche
Darstellung dieses Lebenszyklus gibt Avenarius, aus dessen Buch auch obige
Grafik entnommen wurde (AVENARIUS 2000, S. 208): „Ein Einzelereignis wird zum
Anlaß für Betroffenheit; es wird zum Fall dem allgemeinere Beachtung zukommen
kann. Aber nur wenige befassen sich zunächst damit, finden Rückhalt nur bei
anderen, von ähnlichen Fällen Betroffenene. So werden es allmählich mehr und
mehr. Ein Trend entsteht. Intellektuelle nehmen sich des Themas an, formulieren
ein Anliegen, machen es öffentlich. Aktivisten stellen sich ein, Massenmedien
und Politiker stoßen nach. Jetzt werden Ansprüche geltend gemacht, konkrete
Forderungen werden laut, die sich zunehmend verfestigen. Das Thema stößt auf
immer größere Aufmerksamkeit, wird schärfer erfaßt, formalisiert, dadurch
immer weniger neuen Einflüßen und Abwandlungen zugänglich. Mächtige
Interessengruppen machen es sich zu eigen. Die Lösung wird überfällig. Dann
kommt es zu ihr: ein neues Gesetz, eine neue Vorschift, höhere Zahlungen, eine
ganze Reform. Danach erlahmt das allgemeine Interesse sofort.“
Je später die Phase eines Issues, desto geringer sind die
Handlungsoptionen des betroffenen Unternehmens und um so höher sind die Kosten
möglicher Reaktionen. Einmal nimmt der Zeitdruck zu, um überhaupt noch auf den
Prozeß Einfluß nehmen zu können. Zum anderen sinken die Handlungsmöglichkeiten,
da die Standpunkte der beteiligten sich um so mehr verfestigen, als das Issue in
seinem Zyklus voranschreitet. (nachstehende Grafik aus LIEBL 2000, S. 22)

In der Frühphase streiten die
Akteure um die Definitionsmacht. Welche Deutungsmuster und Lösungsvorschläge
schaffen es in die Agenda der Medien und haben deshalb eine Chance, Teil der öffentlichen
Meinung zu werden. In späteren Phasen ist das nicht mehr möglich. Deshalb
stecken die Unternehmen in einem Dilemma. Bezieht man frühzeitig Position, legt
man sich u. U. auf eine Position fest, die später nicht Teil der öffentlich
diskutierten Interpreationen ist. Wartet man ab, ist es evtl. für eine Einflußnahme
zu spät.
Leider eignet sich das
Lebenszyklusmodell nicht für Prognosen, weil es Abweichungen von diesem
idealtypischen Verlauf gibt. Einmal kann ein Issue aus der latenten Phase
jederzeit wieder aufkommen, wenn sich unberechenbare Rahmenbedingungen ändern.
Weiters muß ein Issue nicht zwangsläufig alle Phasen durchlaufen, sondern das
Thema nimmt häufig ein vorzeitiges Ende, wenn das öffentliche Interesse
erlahmt, andere Issues es verdrängen oder sich vorzeitig eine Lösung ergibt.
Damit ist eine Issue.Karriere in
der Praxis eigentlich nur ex-post darzustellen.Trotzdem ergeben sich ausd en
einzelnen Phasen Erkenntnissse für die Ausgestaltung des Issues Managements. (LIEBL
2000, S. 21 ff.)
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