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Unternehmen
stehen einer zunehmenden Turbulenz ihres Umfeldes gegenüber.
Globalisierung
der Informations- und Wirtschaftsmärkte, gesellschaftlicher Wertewandel
und soziale Differenzierung, sowie die zunehmende Fülle und schnellere
Verbreitung von Informationen in der Mediengesellschaft führen zu einer
steigenden Komplexität und Dynamik der Umweltbedingungen eines
Unternehmens und damit auch zur Zunahme relevanter Ansprüche und Themen,
die eine Begrenzung der Handlungsspielräume eines Unternehmens erwarten
lassen.
Komplexität
bedeutet dabei, daß immer mehr Umfeldbereiche für ein Unternehmen
relevant werden, Dynamik meint die Geschwindigkeit von Veränderungen. (LIEBL
2000, S. 9 ff.)
Eine
Ursache: Der Wertewandel zu mehr Individualismus führt dazu, daß der
einzelne sich nicht mehr ohne weiteres Organisationszielen unterordnet.
Gleichzeitig ist eine Abkehr von überkommenen Konfliktlinien wie Arbeit
vs. Kapital zu beobachten. So entstehen schwer einschätzbare Konflikte,
mit wechselnden Interessengruppen, die sich sozial, wirtschaftlich und
weltanschaulich immer schwieriger eindeutig zuordnen lassen.
Die soziale Differenzierung moderner demokratischer
Industriegesellschaften bewirkt eine zunehmende Spezialisierung und
Segmentierung von Interessen. Das erleichtert die Organisationsfähigkeit
von Partikularinteressen. Diese Organisation von Gruppeninteressen und
deren konkurrierender Einfluß auf die Medien sowie der Wertewandel führen
dazu, daß das öffentliche Interesse am Handeln von Unternehmen zunimmt.
Die Legitimität und damit Durchsetzungsfähigkeit von
Organisationsinteressen steht vor der öffentlichen Meinung mittlerweile
in einer Vielzahl von Bereichen auf dem Prüfstand. Als Beispiele seien
hier die Themen Umweltschutz, Aktionärsinteressen, Arbeitsplätze und
Gewerbesteuer genannt. Anders formuliert: Eine Organisation hat es mit
einer steigenden Anzahl von Bezugsgruppen zu tun, mit denen sie
kommunizieren muß. Tatsächlich wächst die Anzahl der Interessengruppen,
die versuchen, unternehmerisches Handeln in ihrem Sinne zu beeinflussen.
Dabei stoßen diese in der Bevölkerung auf offene Ohren, denn diese sieht
die Auswirkungen der industriellen Produktion zunehmend kritisch (siehe
unter Akzeptanz).
Unternehmerisches
Handeln hat Folgen für Gesellschaft und Umwelt. Im Zuge der
Globalisierung haben sich multinationale Unternehmen zu einflußreichen
Akteuren in der Sozial- und Umweltpolitik entwickelt. Diese Entwicklung
ruft hohe Erwartungen und Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit hervor.
Die Entscheidungen multinationaler Konzerne wird von der Öffentlichkeit
mittlerweile mindestens als genau so wichtig angesehen, wie politische
Entscheidungen. (LEITSCHUH-FECHT
2003)
Bei
dieser skizzierten Entwicklung des Unternehmensumfeldes ist der Erfolg
eines Unternehmens nicht mehr nur von rein ökonomischen Faktoren abhängig.
Vielmehr sind die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen mit zu berücksichtigen.
Die
vielzitierte soziale Verantwortlichkeit von Unternehmen ist daher keine
reine Barmherzigkeit oder Vorstufe zur Vergesellschaftung von Unternehmen,
sondern Erfolgsstrategie. Tatsächlich sieht nach einer Umfrage des
Deutschen Aktieninstituts (DAI) mehr als die Hälfte der deutschen börsennotierten
Unternehmen einen Zusammenhang zwischen ihren umwelt- und
sozialpolitischen Tätigkeiten und dem Unternehmenserfolg. (FAZ
vom 27.05.2003, S. 21)
Dabei
ist Issues Management davon gleichsam die Kehrseite, indem man als
Organisation seine Hand am Puls der Gesellschaft hat und an deren
Meinungsbildung teilnimmt.
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