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Der
Begriff Issues Management wurde erstmals im Jahre 1976 von dem
US-amerikanischen PR-Berater W.Howard Chase geprägt. Ausgangspunkt war für
ihn die ständig zunehmende Verstrickung von Organisationen und
Unternehmen in soziale Konflikte und die daraus erwachsenden Gefahren. Ein
Unternehmen solle sich in diesem Zusammenhang nicht in die Abhängigkeit
von Anspruchsgruppen begeben, sondern habe das Recht und die Pflicht,
selbst in den öffentlichen Meinungsbildungsprozeß einzugreifen, Themen
identifizieren und an deren Lösung mitwirken. Ihm ging es bei seiner
Begriffsschöpfung um eine Neukonzeption von Public Relations, eine
Erweiterung des Aktionsradius. Issues Management definierte er so: „Issues
Management is the capacity to understand, mobilze coordinate and direct
all strategic and policy planning functions and all public affairs/public
relations skills towards achievement of one objective: Meaningful
participation in creation of public policy that affects personal and
institutional destiny.” (zitiert
nach: SCHAUFLER / SIGNITZER
1990, S. 31)
Issues
Management ist also ein Verfahren, daß die Beobachtungs- und
Informationsverarbeitungsfähigkeit einer Organisation gewährleistet und
so zur Bewältigung von Ungewißheit und Risiko beiträgt. Durch die frühzeitige
Identifikation von kritischen Themen und Ansprüchen von Stakeholdern, die
den Handlungsspielraum eines Unternehmens zu beeinträchtigen drohen,
schafft Issues Management die Voraussetzung für eine aktive
Auseinandersetzung mit diesen Issues. An diese Frühwarnfunktion schließt
sich die Entwicklung von Strategien zur Beeinflussung des öffentlichen
Thematisierungsprozesses oder, falls dies nicht möglich erscheint, zur
Anpassung der Organisationspolitik an. Der Prozeß des Issues Management
wird unten genauer erläutert. „Grundlegendes Ziel dabei ist es,
einerseits unangenehme Überraschungen bzw. Konflikte, die sonst mit
diesen Isues verbunden wärn, zu vermeiden, andererseits aber auch
Chancen, die Issuess mit sich bringen können, zu nutzen.“ (LÜTGENS
2002, S. 81)
Issues Management tut also drei Dinge (vgl.: COATES
u.a. 1986, S. 2):
·
Identifizierung,
Beobachtung und Analyse sozialer, technologischer, politischer und ökonomischer
Kräfte und Trends, welche das Unternehmen beeinflussen könnten
·
Interpretation
und Definition der daraus entstehenden Implikationen und Optionen
·
Auswahl
und Implementation von Strategien, um mit diesen Issues umzugehen
Damit
unternimmt das Konzept von Issues Management den Versuch, die PR als
strategisches Instrument der Unternehmensführung zu positionieren. Das
ist der Grund, warum das Verfahren einerseits als „one of the key
phrases“ der Public Relations gelobt, andererseits aber als „alter
Wein in neuen Schläuchen“ qualifiziert wird, weil die
strategische Rolle der Kommunikationsfunktion in Unternehmen doch
von je her seitens der PR eingefordert wird. (vgl.: RÖTTGER
2003)
Konsens
besteht dahingehend, daß der Begriff mißverständlich ist, weil ein
Issue und der dahinterstehende öffentliche Meinungsbildungprozeß natürlich
nicht gesteuert, sondern bloß beinflußt werden kann. „From
the very beginning, those who pioneered the development and definition of
issues management considered it to be am a management process concerned
with public policy foresight and planning for an organization in the
private sector. It is not the management of issues through the public
policy process in our democracy or the management of the public policy
process itself. Not even the most powerful person in the world, the
president of the United States, can do that.”
(EWING
1997, S. 173)
Chase
hat das Issues Management nicht erfunden, auch wenn er den Begriff geprägt
hat. Es ist vielmehr in der unternehmetrischen Praxis historisch aus den
Feldern Öffentlichkeitsarbeit, Lobbying und strategischer Planung
gewachsen. War die PR zunächst auf die Medienarbeit beschränkt, so rückte
sie in den 60er-Jahren durch ihre Kombination mit dem Lobbyismus-Aktivitäten
zur Funktion von Public Affairs näher an den operativen Bereich, da das
Top-Management hier stärker an den Entscheidungen beteiligt war. Die
Verbindung der Public Affairs mit der strategischen Planung zum Issues
Management wiederum bedeutete seit Mitte der 70er Jahre die Einordnung in
die strategische Unternehmensführung. (vgl.:
EWING 1997, S. 173 ff.)
Siehe
dazu auch diese aus EWING 1997 entnommene Grafik.
Die
drei Pole Öffentlichkeitsarbeit, Lobbying und strategische Planung begründen
außerdem die verschiedenen Ansätze des Issues Managements, die im nächsten
Kapitel erläutert werden.
Die
Entstehung des Konzeptes Issues Management aus der US-amerikanischen
Praxis bringt das Problem mit sich, daß die Erkenntnisse nicht ohne
weiteres auf die deutschen Verhältnisse übertragbar sind. Gerade die
Kernelemente Lobbying, governmental relations und public affairs sind von
den Besonderheiten des politischen Systems der USA geprägt. Dort sind die
Verhältnisse von Interessengruppen, Politik und Verwaltung ganz anders. (vgl.:
BOEHNCKE 1997)
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