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Industrieunternehmen
haben ein Akzeptanzproblem. Untersuchungen zeigen für die Bundesrepublik
Deutschland, daß das Vertrauen in die Industrie im unteren Drittel der
abgefragten Institutionen liegt. Dabei wird die Bedeutung der Industrie für
Wachstum und Arbeitsplätze durchaus gewürdigt.
Dieses
zunächst widersprüchliche Ergebnis klärt sich bei genauerer Betrachtung
der Bedeutungen von Vertrauen: Das Vertrauen in die Kompetenz der
deutschen Industrie, im Sinne
von Leistungsfähigkeit und Innovationskraft, ist in Deutschland nach wie
vor hoch. Kritisch betrachtet wird in den Augen der Öffentlichkeit aber
die Kompetenz in die Fähigkeit, die gesellschaftlichen und ökologischen
Folgen unternehmerischen Handelns zu berücksichtigen und zu
kontrollieren.
Das
gleiche gilt für das Vertrauen in die Berücksichtigung kollektiver
Interessen, also die Erwartung, daß Unternehmen bereit sind,
Eigeninteressen zugunsten des Gemeinwohls zurückzustellen und auf der
Grundlage des akzeptierten Wertesystems zu handeln.
Vertrauen
ist nun eine Methode zur Komplexitätsreduktion von Wirklichkeit: Der
einzelne kann nicht wirklich jedes Unternehmen und jede einzelne
unternehmerische Handlung überprüfen. Er muß einfach von Kompetenz und
Gemeinwohlkompatibilität eines Unternehmens überzeugt sein. Hier wird
deutlich, daß Vertrauensbildung in erster Linie vom Bild des Unternehmens
in der Öffentlichkeit abhängt und damit ein
Kommunikationsproblem ist. (BECKER
1993)
Das
Akzeptanzproblem für die Industrie besteht nun darin, daß durch die zu
beobachtende Individualisierung und den Wertewandel gerade die Bedeutung
der zweiten und dritten Vertrauenskategorie zugenommen hat. Der einzelne
ist nicht mehr so ohne weiteres bereit, sich einer Organisationsdisziplin
und Organisationszielen unterzuordnen. Weiterhin ist die steigende
Bedeutung von postmateriellen Werten festzustellen. Im letzteren Fall
scheint es zur Zeit zu einer Art „backswing“ zu kommen: Die sogenannte
„Generation Golf“, also die zwischen 1965 und 1975 geborenen, der übrigens
auch der Verfasser angehört, ohne je selbst einen besessen zu haben, präferiert
anscheinend wieder mehr materielle Werte. (WIRTSCHAFTSWOCHE
20/2003)
Dabei
ist aber zu berücksichtigen, daß der Individualismus bleibt:
Bewertungsgrundlage ist das individuelle Wohlergehen. Die Folgen von
unternehmerischen Handelns werden deshalb aus diesem Blickwinkel
betrachtet. Damit einher geht der Trend zur Issue-Orientierung, das heißt
die Individuen sind weniger an festen Weltbildern orientiert, sondern
stellen sich sozusagen die sie interessierenden Themen und deren Bewertung
individuell zusammen.
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